Kolumnen von Benedikt Weibel

Das If-Syndrom

"LoNa" 6.6.2025

«If» war ein Kultfilm der 1960er-Jahre. An einer englischen Privatschule bricht eine Schülerrevolte aus. Während der Schlussszene brennt und knallt es überall. Die Honoratioren feiern davon unbeeindruckt in der Kathedrale ihr Zeremoniell ab.

Manchmal fühle ich mich hier wie in dieser Kathedrale. Es knallt und brennt ja auch um uns herum. Alle sprechen von einer Zeitenwende, wir aber machen weiter wie eh und je.

Das vom Bundesrat in Auftrag gegebene Sparprogramm wird als Zumutung betrachtet. Eine längst fällige Priorisierung in Notwendiges, Wünschbares und Nice to have findet nicht statt. Obwohl in den Bereichen Altersvorsorge, Gesundheitswesen und Verteidigungsfähigkeit enorme Herausforderungen anstehen.

Am letzten Abstimmungswochenende wurden vielerorts Projekte bewilligt, die wohl wünschbar, aber kaum notwendig sind. Die Meldung, dass die im Raum Basel-Stadt vorgesehenen Bahn-Investitionen nicht 9 Milliarden (wie ein Jahr vorher verkündet), sondern 14 Milliarden kosten, wird in den Medien kommentarlos hingenommen. Obwohl die schiere Höhe dieser Summe für ein regionales Projekt einen Aufschrei auslösen müsste.

Voller Stolz wird berichtet, dass die Planungsarbeiten für den Bahntunnel durch die Grimsel ausgelöst wurden. Ja, wir sind die Weltmeister im Tunnelbau, aber muss es dort sein, wo es partout keine Nachfrage gibt?

Man denkt an ein leicht abgewandeltes Wort von Stefan Zweig: Nichts gefährdet ein Land mehr als eine unablässige Komfortzone.

Benedikt Weibel