Kolumnen von Benedikt Weibel

Erinnerungskultur

"Kolumne LoNa" 15.2.2024

Dana Krügel hat zum wiederholten Mal in einem seiner wunderbaren Porträts die Bemerkung eingeflochten, dass das Haus an der Thorackerstrasse 19 historische Bedeutung hat, weil es 1917 vom Philosophen und Schriftsteller Walter Benjamin bewohnt war. Man wäre gut beraten, meint Dana, bei dem Haus eine Gedenktafel anzubringen.

Gershom Scholem hat in seinem Buch «Walter Benjamin - Geschichte einer Freundschaft» die Episode in Muri geschildert. «Im kleinen Dorf, das ungefähr eine halbe Stunde zu Fuss von der Kirchenfeldbrücke auf dem Weg nach Thun» zu erreichen ist», sind die beiden Freunde tief in das philosophische System Immanuel Kants eingetaucht. Weil an der Universität «wenig zu lernen war», kam es zur «halb-ernst, halb spasshaft gemeinten Gründung der Universität Muri.»

Danach lebte Benjamin wieder in Berlin, bis er im Herbst 1933 Deutschland verlassen musste. Über Paris kam er nach Sanary-sur-Mer, wo sich ein grosser Teil der aus Deutschland vertriebenen Geistesgrössen eingefunden hatte - von Thomas Mann bis Stefan Zweig. Nach dem Kriegseintritt Frankreichs wurde Walter Benjamin interniert. Nach einer strapaziösen Flucht erreichte er die spanische Grenze. Als man ihm klarmachte, dass er nicht nach Spanien einreisen könne, nahm er sich das Leben. Das Grab Walter Benjamins in Port Bou ist zu einem Wallfahrtsort geworden.

Was spricht dagegen, diesen historischen Ort in unserer Gemeinde zu würdigen?